Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Wanderwoche: Tour des Alpes Vaudoises

Als ich letztes Jahr auf der Via Alpina wanderte, «entdeckte» ich eine für mich ganz neue Region: die Waadtländer Alpen. Mein Besuch war leider nur kurz, aber was ich sah, gefiel mir und machte mich neugierig. Ich nahm mir vor, irgendwann hierhin zurückzukehren und vielleicht mehr als nur ein, zwei Tage lang zu bleiben. Mit der achttägigen «Tour des Alpes Vaudoises» hatte ich schnell ein passendes Projekt gefunden: Eine Rundtour, auf der man vom Rhone- ins Saanental und zurück läuft und dabei Orte mit klingenden Namen wie Leysin, Villars und Les Diablerets besucht. Das kam auf meine Bucket List, das wollte ich unbedingt mal machen, wenn ich Lust auf eine Woche Wanderferien in der Schweiz habe.

Also irgendwann. Dieses Jahr hatte ich mit Freunden schon Wanderferien in England gebucht, zudem googelte ich nach «Trekking im Balkan». Aber eine ganze Ferienwoche für Wanderurlaub in der Heimat hergeben? Ja, schon mal. Aber später.

Doch nun bringt dieses Covig-19 auch meine Reisepläne durcheinander. England ist No-Go-Area, auf eine Reise auf den Balkan verzichte ich auch lieber. Urlaub in der Heimat ist nun plötzlich nicht nur das Naheliegendste, sondern auch das Vernünftigste. Und für mich die Gelegenheit, einen Plan, den ich sonst aufschieben würde, gleich umzusetzen.

Also fahre ich in die Westschweiz und laufe los.

Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 1: Aigle – Leysin

Wie entschleunigend! Obwohl der Ausgangspunkt Aigle gut drei Bahnstunden von Zürich entfernt liegt, kann ich am Morgen noch fertig packen, muss erst im Verlauf des Vormittags auf den Zug und darf nach dem Mittag losmarschieren. Denn die heutige Tagesetappe ist nur acht Kilometer lang.

Aber sie hat es in sich! In den knapp drei Stunden, die man dafür benötigt, erklimmt man 1000 Höhenmeter. Und muss dabei so manchen fiesen Anstieg meistern: Obwohl es bewölkt ist und keine 20 Grad warm, ist mein Shirt danach verschwitzter als nach so manch echter Bergtour. Ach, hätt ich in Aigle doch einfach die kleine Bergbahn genommen, die wie ein Tram durch den putzigen Kern der Kleinstadt an mein Ziel fährt!

Andererseits ist diese Tagesetappe eine toller Einstieg in die Waadtländer Alpen, eine richtige Reise! Nur 12 Minuten, nachdem ich vom Bahnhof Aigle losmarschiert bin, steht ich schon mitten in den Weinbergen. Dann geht es durch den Wald, es wird steiler, man hört Glocken. Weiter laufe ich über Alpweiden und so plötzlich wie endlich findet ich mich im Bergdorf Leysin wieder.

Hier ist es ruhig, die Luft ist sauber, der Alltag ist weit weg. In nur wenigen Stunden hat man eine ganz andere Welt erklommen.

Wie entschleunigend!

Bahnhof Aigle. On y va!
Bahnhof Aigle. On y va!
Tram und Bergbahn
Tram und Bergbahn
Hübsch, dieses Aigle!
Hübsch, dieses Aigle!
In den Weinbergen
In den Weinbergen
Aigle (links das Schloss)
Aigle (links das Schloss)
Nun geht’s bergauf
Nun geht’s bergauf
Aus der Strasse durch den Wald wird ein Wanderweg
Aus der Strasse durch den Wald wird ein Wanderweg
Beim Aufstieg
Beim Aufstieg
Erster Blick auf Leysin
Erster Blick auf Leysin
Temple Protestant de Leysin
Temple Protestant de Leysin
Blick von meinem Hotelbalkon
Blick von meinem Hotelbalkon
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 2: Leysin – Les Mosses

Am Morgen überlege ich mir, ob ich einen Umweg machen und auf die Bernaise, den Aussichtsberg ob Leysin (mit Drehrestaurant!), hochsteigen soll. Als ich mir dann meinen schweren Rucksack umhänge, verwerfe ich diese Idee gleich wieder und entscheide mich, dem offiziellen Weg zu folgen.

Der ist zumindest in den ersten anderthalb Stunden eine chillige Panoramatour. Dann steigt auch er in die Höhe und wird zum Bergwerg. Und was für einer! Obwohl ich knapp unter der 2000er Grenze bleibe, erlebe ich Dramatik pur: eindrucksvolle Felsformationen, wilde Steinfelder und ein übermütiger Wind, der fortwährend neue Wolkengebilde formt.

Beim Col de la Pierre du Möelle erreiche ich dann wieder einen angenehmen Wanderweg. Damit es einem nicht zu wohl wird, sind ein, zwei fiese Steigungen eingebaut. Es bleibt also aufregend: Einmal rutsche ich aus und falle zu Boden, einmal verirre ich mich kurz, einmal stehe ich plötzlich vor einer Gämse.

Als ich am Morgen die Strecke studiert hatte, dachte ich noch: nur 18 Kilometer? Spätnachmittags in Les Mosses angekommen, staune ich über all das, was ich in dieser kurzen Zeit erlebt hab.

Blick zurück auf Leysin
Blick zurück auf Leysin
Am Ende des Tals: Les Diablerets. Dazu später (in dieser Wanderwoche)
Am Ende des Tals: Les Diablerets. Dazu später (in dieser Wanderwoche)
Es geht rauf zu dramatischen Felsformationen
Es geht rauf zu dramatischen Felsformationen
Herrlich!
Herrlich!
Über Stock und Stein
Über Stock und Stein
Einer (der offensichtlich leichteste) von drei Klettersteigen am Weg
Einer (der offensichtlich leichteste) von drei Klettersteigen am Weg
Col de la Pierre du Möelle. Im Hintergrund: der Mont dˋOr
Col de la Pierre du Möelle. Im Hintergrund: der Mont dˋOr
Alpweide mit viel Biodiversität
Alpweide mit viel Biodiversität
Lac de l’Hongrin
Lac de l’Hongrin
Manchmal trifft man hier auf Gämse
Manchmal trifft man hier auf Gämse
Col des Mosses
Col des Mosses
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 3: Les Mosses – Château-d’Oex

Heute ist Sonntag und gestern, eine Viertelstunde vor Mitternacht, hat der Sommer begonnen. Genau so wird dann auch die Tour: ein ausgedehnter, gutgelaunter Sonntagsspaziergang über grüne Alpweiden bei strahlendem Wetter. Es geht meist sanft bergab und nur einige feuchte, morastige Stellen erinnern daran, dass es hier noch vor kurzem nicht ganz so schön gewesen sein muss.

Es geht rasch voran, ich passiere vielleicht ein bisschen zu schnell die pittoresken Dörfchen La Lécherette und Les Moulins. Viel zu früh bin ich am Ziel und feiere dort den Sommer mit einem grossen Bananensplit.

Erst abends in der Dusche merke ich, dass mich die neue Jahreszeit mit einem ungewollten Geschenk überrascht hat: Mein Nacken hat sich einen Sonnenbrand geholt.

Das war Les Mosses
Das war Les Mosses
La Lécherette
La Lécherette
Hier ist Militärgebiet
Hier ist Militärgebiet
Die Kirche von La Lécherette
Die Kirche von La Lécherette
Blick ins Tal von L’Etivaz
Blick ins Tal von L’Etivaz
In den Alpen
In den Alpen
Ist hier schon das Greyerz zu sehen?
Ist hier schon das Greyerz zu sehen?
Saanenland
Saanenland
Hübsch: Les Moulins
Hübsch: Les Moulins
Château-d’Oex
Château-d’Oex
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 4: Château-d’Oex – L’Etivaz

Nach zwei, drei Aufwärm-Kilometern entlang der Sarine/Saane beginnt endlich die erste richtige Bergetappe. Und wie! Zwar folgt man einer Fahrstrasse, doch die geht steil bergauf und ist ein My anstrengender als der eingezeichnete Weg auf der Karte vermuten lässt. Dafür bleibt dies dann auch so. Als aus der Strasse ein Waldweg und danach ein Pfad über Alpweiden wird, kann ich in gleichbleibendem Tempo weiterlaufen. Erst kurz vor dem Pass, als es über ein Steinfeld geht, wo kein richtiger Weg auszumachen ist, verlangsamen sich meine Schritte. Schön abwechslungsreich ist es in jedem Fall.

Der Gebirgspass La Douve liegt gerade mal auf 2002 M.ü.M. Das ist tatsächlich bereits der höchste Punkt der ganzen achttägigen Tour. Ausruhen kann man sich da kaum, da ist nur ein schmaler Grat, der wenig einladend wirkt.

Nun beginnt die eigentliche Herausforderung. Der Weg (über 800 Höhenmeter) runter nach L’Etivaz ist steil. Sehr steil. Im Zickzack führen schmale Weglein, die in den Hang geschlagen sind, über feuchten, rutschigen Waldboden und losen Schotter nach unten. Es ist nicht wirklich gefährlich, aber es ist mir alles andere als wohl. Zum ersten Mal ich auf dieser Tour benutze ich meinen Wanderstock, er fängt so manchen Misstritt ab.

Ich bin also froh, als ich in L’Etivaz und vor allem heil in L’Etivaz ankomme. Ich hatte mir eine Bergetappe gewünscht. Aber man muss ja nicht immer gleich übertreiben!

(In L’Etivaz hat es ein einziges Hotel. Es ist für diese Nacht ausgebucht und so fahre ich mit dem Postauto zurück nach Château-d’Oex, wo ich eine weitere Nacht im gleichen Hotel verbringe.)

Château-d’Oex
Château-d’Oex
Entlang der Sarine/Saane
Entlang der Sarine/Saane
Es geht bergauf (1)
Es geht bergauf (1)
Es geht bergauf (2)
Es geht bergauf (2)
Es geht bergauf (3)
Es geht bergauf (3)
Es geht bergauf (4)
Es geht bergauf (4)
Fast zuoberst
Fast zuoberst
La Douve auf 2002 M.ü.M.
La Douve auf 2002 M.ü.M.
Rocher du Midi. Hab mir überlegt, da raufzulaufen, war dann aber zu faul
Rocher du Midi. Hab mir überlegt, da raufzulaufen, war dann aber zu faul
Hier gehts bergab
Hier gehts bergab
L’Etivaz (von oben)
L’Etivaz (von oben)
La Maison de L’Etivaz. Im Hintergrund: das Käselager
La Maison de L’Etivaz. Im Hintergrund: das Käselager
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 5: L’Etivaz – Les Diablerets

Nur ein paar Kilometer von dort, wo ich gestern so mühsam runtergekommen bin, gehtˋs heute im Tal von L’Etivaz wieder bergauf. Ich rechne also mit feuchten, engen Weglein, die sich im steilen Zickzack in die Höhe schrauben. Ich habe ja keine Ahnung!

Grundsätzlich ist meine Vermutung zwar richtig. Aber gleichzeitig zu optimistisch: es ist nicht bloss feucht, der Wanderweg ist ein einziger Morast. Hier muss vor kurzem eine Kuhherde hochgegangen sein, die den Pfad vollkommen zertrampelt hat. Ich vermute, hier war Alpaufzug. Dafür spricht ein ganzer Haufen Kuhscheisse. Nicht immer kann man ihm ausweichen, manchmal muss ich buchstäblich durch Kacke waten. Und es umschwirren mich ganze Völker von Fliegen. (Spoiler: meine Schuhe sind wasserdicht, da drang also nichts durch. Und ich lief nachher durch jedes Bergbächlein, damit die Scheisse auch sicher weg ist). Es ist also ziemlich… Merde!

Als ich aber oben auf der Alp ankomme, löst sich mein Ärger sofort auf. Es herrscht hier vollkommener Berggroove: tolles Wetter, eindrucksvolle Berge, grossartiges Panorama. Man könnte hier ewig verweilen.

Doch es geht nach unten. Etwas Besonderes erwartet mich: der Kanton Bern. Die «Route des Alpes Vaudoises» macht tatsächlich einen kleinen Abstecher ins Oberland. Und so besuche den mir bislang unbekannten Arnesee. Hübsch! Ich raste.

Dann gehts wieder hoch. Kurz vor der Rückkehr in die Waadt gibt Bern nochmals alles: tolle Sichr auf seine Berge, Krokusse, Alpenrosen. Ich geh dennoch weiter. Langsam am kleinen, kreisförmigen Lac Retaud vorbei, schnell passiere ich hingegen den Col du Pillon mit der hässlichen, überdimensionierten Talstation der Bergbahn, die Touristen zum Gaudi auf 3000 M.ü.M. hochkarrt.

Bis Les Diablerets sind es nun noch fünfviertel Stunden. Der Weg führt an einem Flüsschen entlang. Er ist superschön und kurzweilig angelegt. Aber ich bin zu müde, um dies zu schätzen. Dies ist die längste und anstrengendste Etappe der Tour, ich bin froh, als ich im Hotel ankomme.

Aber glücklich und erfüllt. Und froh, als ich feststellen darf, dass meine Schuhe nicht nach Kuhscheisse stinken.

L’Etivaz
L’Etivaz
Erstmal hier hoch!
Erstmal hier hoch!
Blick zurück ins Tal von L’Etivaz
Blick zurück ins Tal von L’Etivaz
Hier gehts in den Kanton Bern
Hier gehts in den Kanton Bern
Arnesee
Arnesee
Col de voré: Grenze zur Waadt. Der Berg rechts heisst übrigens «Sexe Rouge»
Col de voré: Grenze zur Waadt. Der Berg rechts heisst übrigens «Sexe Rouge»
Klein, aber fein: Lac Retaud
Klein, aber fein: Lac Retaud
Col de Pillon: wir müssen unsere Bergbahnen ausbauen. Alle!
Col de Pillon: wir müssen unsere Bergbahnen ausbauen. Alle!
Die letzten Kilometer
Die letzten Kilometer
Les Diablerets
Les Diablerets
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 6: Les Diablerets – Villars-sur-Ollon

So! Wieder mal geh ich los, wieder mal einem Flüsschen entlang, wieder mal stetig steil bergauf. Dann kommt ein Pass. Dann geht es noch höher. Das wiederholt sich, auch heute, und ich kriege darum eine kleine Mid-Way-Crisis. Aus einer leichten Verstimmung wird ziemlich schlechte Laune, weil ich nicht mehr links und rechts gucken mag und dabei ein paar Highlights verpasse oder nicht honoriere (das Schlachtfeld Trechadèze, die Gipspyramiden…). Es ist ein Teufelskreis!

Beim Übergang L’Encrène wird der durchbrochen. Ich sehe hier in die Ferne und gleichzeitig in die Vergangenheit; ich erkenne Berge, ganz weit weg, an deren Hängen ich in den letzten Tagen gewandert bin. Ein bisschen bin ich stolz auf das Geleistete.

Die Wanderung wird nun auch einfacher und schöner. Ich laufe an einigen Bergseen vorbei. Plötzlich sind da so viele Menschen. Ich staune – eben war ich noch fast alleine auf dem Weg, woher kommen die plötzlich? Später merke ich, dass sie ein Zug bequem von Villars-sur-Ollon auf den Col-de-Bretaye hochgekarrt hat.

Diesen Service kann ich nicht in Anspruch nehmen, ich muss da hinunterlaufen. Das geht zum Glück recht zügig, und schneller als gedacht komme ich im vielleicht ein bisschen zu pseudo-poshen Villars-sur-Ollon an.

Diesen Fluss bei Les Diablerets nennen sie «La Grande Eau»
Diesen Fluss bei Les Diablerets nennen sie «La Grande Eau»
Gipspyramiden. Links im Hintergrund: Oldehore
Gipspyramiden. Links im Hintergrund: Oldehore
Kein Berglein ohne touristische Infrastruktur
Kein Berglein ohne touristische Infrastruktur
Bilderbuch-Westschweiz
Bilderbuch-Westschweiz
Auf dem Berg im Hintergrund spielte sich Etappe 2 ab
Auf dem Berg im Hintergrund spielte sich Etappe 2 ab
Lac des Chavonnes
Lac des Chavonnes
Lac de l’Entonnnoir (beinahe verlandet)
Lac de l’Entonnnoir (beinahe verlandet)
Lac de Bretaye (ja, ich mag Bergseen)
Lac de Bretaye (ja, ich mag Bergseen)
Das Gleis zum Col-de-Bretaye
Das Gleis zum Col-de-Bretaye
Erster Blick auf Villars-sur-Ollon
Erster Blick auf Villars-sur-Ollon
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow
 
Kategorien
Tour des Alpes Vaudoises

Etappe 7: Villars-sur-Ollon – Gryon

Am siebten Tage sollst Du ruh’n. Einerseits. Andererseits muss die Show weitergehen. Obwohl mich die einzelnen Etappen nicht an meine Grenzen gebracht haben und ich von Muskelkater, Blasen und Blessuren verschont wurde, ging die wochenlange Anstrengung nicht spurlos an meinem Körper vorbei. Ich spür sie in meinen Knien, in den Oberschenkeln, in den Schultern. Vor allem, wenn die Muskeln noch kalt sind.

Darum bin ich froh, geht es heute erstmal bergab. Ich bin schon in einem Ortsteil des Nachbardorfs Gryon, als es hoch geht. Gryon ist ja eigentlich das heutige Ziel, aber für einmal ist die Tour nicht so gradlinig, sondern macht einen grossen Bogen. Sie führt nochmals ins Tal, wo ich gestern zu den Gipspyramiden hochgelaufen bin, einfach auf die andere Seite. Ich hatte gesehen, dass dort ein Alp–Weiler liegt. Ich fragte mich, ob dort noch echte Älpler leben oder ob das Dörflein in Ferienhäuser gentrifiziert wurde. Mir sehe ich: Landwirtschaft ist nur noch Kulisse.

Nochmals geht’s leicht hoch, nun stehe ich auf einem Aussichtspunkt. Ich sehe tief herunter ins Rhonetal, vor allem aber in die Walliser Alpen hoch.

Der Weg ändert sich. Gerade noch lief ich über blumenreiche Alpwiesen, nun wird er enger, verschwindet im Wald, wird zum Bergweg. Auch das Tal scheint dunkler und geheimnisvoller zu werden. Da geht es plötzlich wieder auf und macht Platz für die stattliche Alp Solalex, die Wanderer, Biker, aber auch Autofahrer mit mehr als nur einem Restaurant verwöhnen kann.

Ich mache eine Kehrtwendung und laufe nun endgültig Richtung Gryon. Der Wanderweg hat eine kleine Persönlichkeitsstörung, er weiss nicht, will er Wald- oder Feldweg sein. Einmal führt er über ein Bachbett, aber da ist kein Bach und schon gar keine Brücke. Irgendwann gibt der Weg auf und führt einfach auf einer Strasse ans Ziel.

Gryon ist hübsch, aber auf den ersten Blick leblos. Die unzähligen Chalets scheinen fast allesamt Ferienhäuser zu sei, die jetzt (und wohl nicht nur grad jetzt) leer sind. Nur ganz im Kern nimmt man Leben wahr, dann merkt man, das steckt ein richtiges Bauerndorf drin, komplett mit Käserei und Metzger an der winzigen Hauptstrasse.

(In Gryon scheint es auch kein Hotel zu geben. Ich fahre mit dem kleinen Zug zurück nach Villars-sur-Ollon und übernachte nochmals dort.)

Arveyes, ein Ortsteil von Villars-sur-Ollon, in dem noch echte Menschen leben.
Arveyes, ein Ortsteil von Villars-sur-Ollon, in dem noch echte Menschen leben.
Oberhalb von Gryon
Oberhalb von Gryon
Alp-Weiler Taveyanne
Alp-Weiler Taveyanne
Walliser Alpen
Walliser Alpen
Les Chaux. Unten im Tal: Monthey
Les Chaux. Unten im Tal: Monthey
Dieser Berg trägt den lustigen Namen «Arête de l´Argentine»
Dieser Berg trägt den lustigen Namen «Arête de l´Argentine»
Endlich wieder ein Bergwanderweg!
Endlich wieder ein Bergwanderweg!
Alp Solalex
Alp Solalex
Das Bachbett ohne Bach; der Weg drüber ohne Brücke
Das Bachbett ohne Bach; der Weg drüber ohne Brücke
Kann auch authentisch: Gryon
Kann auch authentisch: Gryon
Exit full screenEnter Full screen
previous arrow
next arrow