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Zu Fuss ans Mittelmeer

Etappe 2: Rotkreuz–Luzern

23,6 km • 5 h

Eigentlich wäre heute ein supereasy Spaziergang geplant gewesen: unaufgeregt der Reuss entlang nach Luzern. Ich will es dann aber doch ein My anspruchsvoller und steige in die Höhe, auf den Hügelzug, der sich zwischen Reuss und Vierwaldstättersee zwängt. Dort besuche ich die Kapelle Michaelskreuz.

Ich kenne sie gut, ich hab hier so ganz unterschiedliche Dinge erlebt. Das wird programmatisch für den heutigen Tag: wenn ich zum Weiler Haltikon laufe, dann durch die Allmend und den Meggerwald, ja sogar auf der Luzerner Seepromenade, muss ich mich immer wieder zurückerinnern, tauchen stets neue Bruchstücke aus meinem Leben auf. Heute ist eine einzige Rückführung.

Und dann treffe ich mich auch noch mit meinen Eltern! Sie wissen noch nichts von diesem Abenteuer. Sie haben schon zu viel erlebt, ihre Kinder haben zu oft ihre Welt auf den Kopf gestellt. Wenn jetzt also einer kommt und sagt, er marschiere als Meer, dann erschrecken sie nicht, dann wundern sie sich nicht, dann bleiben sie ganz cool und sagen: Eigentlich eine gute Idee. Da macht der Bub nichts Dümmeres!

Mein Bruder stösst dazu. Er weiss: ich bin nicht der erste. Schon mein Urgrossvater wanderte einst nach Genua (vermutlich aber über den Gotthard). Dort nahm er das Schiff, das ihn nach Rom brachte, wo er als Schweizergardist diente.

Die Motivation mag sich geändert haben. Die Abenteuerlust aber wurde vererbt.

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Postscriptum: Ich übernachte in Luzern. Schon gestern, vielleicht auch nach der morgigen Etappe wäre es drin gelegen, nach Hause zu fahren. Ich hätte damit schön Geld sparen können! Ein Weitwander-Feeling wär mit dem Tagestour-Rucksäckli aber wohl kaum aufgekommen. Darum hab ich mir von Anfang an vorgenommen: Wenn ich zuhause abmarschiert bin, komm ich erst dorthin zurück, wenn ich die Wanderung – wie auch immer – abgeschlossen habe.