Plötzlich geht‘s nicht mehr weiter, auf einmal kann ich nicht mehr. Da ist diese Brücke, auf der dichter Berufsverkehr – in der einen Richtung zweispurig – rast. Ich soll da auch drüber. Und danach diese Strasse gleich noch überqueren. Trottoir und Zebrastreifen hat es nicht. Ich starre auf die Brücke. Ich kann nicht mehr.
Bereits bin ich vier Kilometer gelaufen, einer Nebenstrasse entlang, immer brav am Randstein. Autos und Lastwagen brausten nah an mir vorbei. Und nun das! Und danach vermutlich wieder einige Kilometer dem Randstein entlang. Am Nachmittag soll es eine hübsche Bergwanderung geben. Doch bis dann? Was danach?
Ziel von heute ist Orta San Guilio. Ich hab zwei Nächte gebucht und will mir morgen den ersten Ruhetag dieser Tour gönnen. Weil‘s in Orta halt so einiges zu sehen gibt. Vor allem aber, damit ich nachdenken kann, wie es weitergeht. Die letzten Tage mit ihren flachen Etappen waren bedeutend anstrengender als jene über die Berge. Und weit weniger erfüllend: Ich ziehe nur noch den Kopf ein und schreite den Weg möglichst schnell ab. Soll das die nächsten zwei-, vielleicht dreihundert Kilometer so weitergehen? Sollen Hundegebell und das Geräusch von hinten herannahende Autos die Erinnerungen an meinen Vierwochenurlaub prägen? Damit ich ein irrelevantes Ziel erreichen kann? Oder muss man auch auf eine lustige Idee einzahlen? Wenn ich es einfach und sicher hätte haben sollen, dann hätte ich dieses Projekt ja «Ich laufe an den Pfäffikersee» nennen sollen.
Eben. Darüber will ich in Orta nachdenken. Das war der Plan. Aber jetzt steh ich vor dieser Brücke. Eine Mischung von Angst und Erschöpfung, aber auch einer Art Ekel überfällt mich. Ich versuche, weiterzulaufen. Doch es geht nicht, auf einmal kann ich nicht mehr.
Ich kehre um.