Kurz nach Mitternacht steige ich in Zürich in den Zug, um viertel nach eins komme ich in Arth-Goldau an. Dann erst fällt mir ein, dass ich ja eigentlich Angst hab im Dunkeln. Ich versuche mich zu erinnern, wie ich auf die Idee kam, alleine eine Nachtwanderung machen zu wollen. Egal, da muss ich jetzt durch. Nur mit einer Stirn- und einer Taschenlampe bewaffnet, laufe ich den Wanderweg hoch, ich passiere Dächli, Klösterli, Staffel.
Wider Erwarten werde ich von bissigen Hofhunden, Wölfen und Zombies verschont, aber an vier Kuhherden muss ich vorbei. Alles ist und bleibt sicher, dennoch scheint mich die Angst anzutreiben. So stehe ich schon nach drei Stunden und acht Minuten auf Rigi Kulm – ich habe die offizielle Wanderzeit um eine volle Stunde unterboten.
Das bringt mir so grad gar nichts, denn Sonnenaufgang ist erst um sechs Uhr, knapp zwei Stunden später. Ich finde eine Bank und lege mich hin und versuche ein bisschen zu schlafen. Schon bald erwache ich, fröstelnd. Es wäre laut Thermometer nicht kalt, aber eine fiese Brise jagt über den Gipfel.
Ich warte. Es ist langweilig, frühmorgens läuft auf so einem Berg nicht viel.
Langsam erreichen auch andere Wanderer Rigi Kulm. Sie haben rote Köpfe und machen Selfies. Wir warten. Endlich ist es sechs Uhr und wie bestellt erscheint im Osten ein rotes Strahlen, ein Halbkreis, eine Sonne. Wir machen Fotos. Wir sind ein bisschen aufgeregt. Ich bin auch ein bisschen enttäuscht, ich habe mir das irgendwie eindrücklicher vorgestellt. Aber es ist schon okay.
Ich fotografier ein bisschen, aber schon zehn Minuten nach Sonnenaufgang merk ich, dass ich schon wieder fast alleine auf den Gipfel bin. Dann geh ich halt auch! Ich laufe auf anderen Wegen bergab, runter nach Arth. Dort soll es eine gute Bäckerei haben. Ich kaufe ein Brot. Es schmeckt super!