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Wandern

Via Gottardo: Endlich am Ziel

Meine Wandergspändli Frau F und ich haben unseren Zweitäger schon fast geschafft. Jetzt geht es nur noch drei Kilometer locker bergab. Eigentlich. Doch plötzlich stehen wir an:

Strassensperre

Dieser Haufen Holz und Gestrüpp liegen mitten auf der Strasse. Schon zuvor haben wir über entwurzelte Bäume steigen müssen, hier aber werden wir uns kaum durchkämpfen können. Selbst wenn: vor und hinter dem Hindernis liegen entwurzelte Bäume und Teile der Strasse fehlen, vielleicht ist diese «Wand» nicht die einzige, die uns den Weg versperren wird. Dies sind Folgen eines heftigen Unwetters, das vor zwei Wochen im Tessin schwere Schäden verursacht hat. Wir Zürcher haben das damals nicht registriert, heute jedoch zwingen sie uns zur Umkehr. Wir laufen also zurück, bis wir einen alternativen Weg zum Ziel finden. Mehr als acht Kilometer laufen wir vergeblich. Dass wir so kurz vor Ende unserer Tour nochmals fast scheitern, ist jedoch Programm.

Wir sind im Tessin, auf den letzten Kilometern, auf der letzten Etappe des Weitwanderweges «Via Gottardo». Er führt auf 330 Kilometern quer durch die Schweiz, von Basel über den Gotthard nach Chiasso. Natürlich ist das kein Spaziergang, das macht man nicht an einem Wochenende oder schnell mal in den Ferien. Dennoch brauchten wir länger als geplant, die gut zwanzig Tagesmärsche haben sich schlussendlich auf vier Jahre verteilt.

Start: Basel, 12.05.2017

Es ist halt auch viel passiert! Unfälle, Spitalaufenthalte und ärztliche Behandlungen. Wetter und Winterpausen. Ferien. Me-Time, die ich letztes Jahr als Ausgleich zu meiner Weiterbildung brauchte. Und generelle Schwierigkeiten, wenn sich zwei Menschen mit vollen Terminkalendern finden müssen. Das Leben macht es einem nie leicht, aber wie jetzt, auf den letzten Kilometern, haben wir einfach weitergemacht. Aufhören wär ein Fehler gewesen.

Die «Via Gottardo» ist primär ein schön abwechslungsreicher Wanderweg. Er bietet alles: Jura, Mittelland und Alpen. Städte, Agglo und Pampa. Rhein, Aare, Reuss und Ticino. Man läuft durch Wälder und Felder und auf Fels, entspannt an Flüssen und Seen entlang (über den Vierwaldstättersee darf man allerdings das Schiff nehmen!), es geht immer mal wieder auch steil rauf und runter. Es mag prestigeträchtigere und anspruchsvollere Routen geben, die «Via Gottardo» trumpft aber dann auf, wenn es mehr als nur um Leibesertüchtigung gehen soll, wenn man mehr als nur nach einem schönen Bergpanorama sucht. Der Weg folgt ja einer für uns ungeheuer wichtigen Verkehrsroute und ist quasi ein Greatest-Hits-Album von Schweizer Geschichte und helvetischem Selbstverständnis. Am Weg liegen etwa Rheinhafen und Muttenzer Bahnhof, der alte Hauenstein-Tunnel und der Kilometer-Null-Stein im Bahnhof Olten, der Militärflughafen von Emmen und die Gotthardfestungen, das Tell-Denkmal und der Teufelstein, die Schöllenen und die Tremola, die Grotti von Personico und die Burgen von Bellinzona, Isone und Morcote, der Damm von Melide und die Versteinerungen auf dem Monte S. Giorgio. Auf so einer langen Strecke gesellen sich natürlich auch noch unzählige Dramen hinzu, ein persönlicher Höhepunkt ist sicher ein fieser Hundebiss, der von einer Ärztin genäht werden musste.

Ziel: Chiasso, 18.10.2020

Es war also eine unglaublich schöne Tour. Unbedingt empfehlenswert. Vielleicht bereite ich die hier mal digital auf (wenn ich noch alle Speicherkarten mit Fotos aller Etappen finde). Im Moment bin ich aber vor allem froh, dass wir es geschafft haben und allen Hindernissen, die sich uns bis ans Ende in den Weg gestellt haben, trotzen konnten.

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Kochen & Essen

Ich mache mal eben Pasta

«Neapel sehen und geniessen» von Dario Santangelo ist ein Kochbuch. Ich rechne es dem Barock zu. Da hat es haufenweise Rezepte drin, die so verrückt sind, dass sie garantiert authentisch sein müssen. Darunter auch Maccheroni alla siciliana. Ich habe noch nie ein Pasta-Rezept gesehen, das so aufwändig ist – selbst wenn man gekaufte Teigwaren verwendet. Mit anderen Worten: Ich muss das unbedingt ausprobieren! Das sieht dann so aus:

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Ich mag das alles sehr, auch meine Gäste loben. Der Aufwand hat sich zum Glück gelohnt, mit Abwaschen etc. bin ich nämlich gut vier Stunden lang in der Küche gestanden – für Pasta und Schokokuchen! Das ginge bestimmt schneller, und mit fertig gekauftem Hackfleisch und Reibkäse könnte man den Arbeitsaufwand nochmals optimieren. Andererseits schmeisse ich ja oftmals einfach Pasta in die Pfanne, wenn ich keine Lust und keine Idee zum «richtig» Kochen habe. Darum war’s schön, den Teigwaren wieder mal ein bisschen Zeit und Liebe zu schenken. Noch schöner: Sie haben Letzteres erwidert!

Quellen: «Neapel sehen und geniessen» von Dario Santangelo ist leider vergriffen, das Rezept für «One-Bowl Chocolate-Mayonnaise Cake» von Melissa Clark steckt möglicherweise hinter einer Paywall. Schlimm! Meld dich bei Bedarf bei mir, ich schick dir gerne die Rezepte zu!

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Wandern

Zürich–Rheinsfelden

Ich brauch noch einen hübschen Abschluss!

Eine Woche lang habe ich die Schweiz zu Fuss durchquert, dann bin ich vierzehn Tage lang durch Italien gefahren und gelaufen. In den letzten Tagen hab ich Ferien daheim gemacht, Familienmitglieder und Museen besucht. Morgen muss ich wieder arbeiten. Vorher will ich noch was tun. Hier und IRL, ich brauch noch einen richtigen Abschluss für die letzten vier Wochen, in denen ich im Urlaub war.

Ich wollte zuerst eine Liste aufstellen oder eine Rückschau schreiben. Ist mir aber zu trivial. Immerhin könnte ich das toll bebildern: Im Kunstmuseum Basel zeigen sie gerade, was sie neu in ihre Sammlung aufgenommen haben. Darunter ist ein Gemälde, das die exakt gleiche Perspektive zeigt, die ich bei meinem Marsch durch die Schweiz aus meinem Hotelzimmer in Meiringen genossen hab. Einfach 200 Jahre zuvor.

Jakob Christoph Miville: «Im Dorf Meyringen gegen dem Well- und Wetterhorn». 1821-2824. Kunsthaus Basel.

Ich will aber lieber nochmals etwas tun als eine Liste schreiben. Irgendwas, das die vier Wochen ergänzt. Oder abschliesst. Oder im Kontrast dazu steht. Und dann kommt mir in den Sinn: Ich bin ja in dem Süden gelaufen. Warum also jetzt nicht nach Norden? Da liegt Deutschland, per Luftlinie soll das knapp 20 Kilometer von Zürich entfernt sein. Scheinbar könnte ich bereits mit einem einzigen Tagesmarsch eine weitere Grenze erreichen. Das muss ich verifizieren! Das will ich ausprobieren! Das gibt ein schöner Abschluss!

Das Wetter sieht zwar wenig verheissungsvoll aus, vor allem ist es kalt. Ich wage es dennoch, ich laufe trotzdem los.

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Weil es im neuen WatchOS 7 einen Bug gibt, kann ich keine GPS-Daten aus meiner Uhr ziehen und hier keine Karte zeigen. Die nackten Zahlen: Ich bin die 29,2 km in 5 h 18 gelaufen. Das ist eine so lange wie nette Strecke. Ein hübscher, entspannter Sonntagsspaziergang, bei dem sich die Sonne nicht zwingend zeigen muss.

Und dennoch etwas Besonderes: Ich bin Zuhause losgelaufen und habe ein paar Stunden später im Ausland Halt gemacht. Vor fast einem Monat habe ich fast das Gleiche in anderer Richtung gemacht, verliess die Schweiz aber erst nach einer Woche.

Das war ein Abenteuer! Ganz so aufregend war der heutige Marsch zugegebenermassen nicht. Aber dennoch denkwürdig und lustig. Ich lerne: Man braucht für ein Abenteuer nicht unbedingt viel Zeit. Man muss einfach los. Und in die richtige Richtung gehen.

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Unterwegs Wandern

Der Bauch entscheidet falsch

Irgendwann beschliesse ich, dass Aosta die letzte Station meiner Reise sein wird. Der «Parco Nazionale del Gran Paradiso», Italiens ältester Nationalpark, liegt gleich um die Ecke. Hier noch ein paar schöne Wanderungen machen und dann mit dem Zug nach Hause. Oder noch besser: mit dem Bus durch/über den Grossen St. Bernhard. Dies ist eine Stecke, die ich nicht kenne.

Allerdings ist das Berge-rauf-und-runter-Wandern nicht so mein Ding; ich brauch was Zielorientierteres. Und so frage ich mich plötzlich: Warum den Nationalpark nicht einfach ignorieren und dafür Italien so verlassen, wie ich eingereist bin? Zu Fuss, über einen Pass? Die Wanderung quer durch die Schweiz kann ich mir ja schenken, aber eine Abschieds-Passwanderung, das wäre was! Eben: den Grossen St. Bernhard hoch, dann auf auf der andern Seite runter nach Martigny. Und mein Italien-Abenteuer mit vier, fünf Tageswanderungen sanft ausklingen lassen.

Tolle Idee, finde ich. Das Wetter sieht zwar nicht gut aus. Frohen Mutes rückte ich dennoch mein Wanderhütli zurecht und erlebe am ersten Tag dies:

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Das ist alles wunderschön. Und so stehe ich am andern Tag voller Freude auf, um den Pass in Angriff zu nehmen. Doch ich sehe… nichts. Alles ist verhangen, das Dörfli liegt in den Wolken. Noch schlimmer sieht nur der Wetterbericht aus: Es würde mich heute – je nach App – starker Regen oder gar ein Gewitter erwarten. In jedem Fall wird es auf dem Pass nicht wärmer als acht Grad werden. Soll ich den Aufstieg wagen?

Ja, sage ich mir. Es gab viele Gründe fürs Weiterlaufen, schlimm kann es nicht werden, notfalls kehr ich halt um. Aber ich fühle mich nicht wohl dabei. Ich höre die Argumente, aber ich spüre Angst. Gehe ich einfach ein Wagnis ein oder riskiere ich zu viel? Auf einer Strecke in einer Region, die ich nicht kenne? Und so kommt es zu einem Duell zwischen Kopf und Bauch. Der Bauch ist mein gewichtigeres Organ. Er gewinnt.

Ich kehre um und laufe runter nach Aosta. Mit leichtem Herzen, aber im Wissen, dass ich die falsche Entscheidung getroffen habe.

Unten im Tal kaufe ich mir ein Ticket. Das GA kann ich mir anrechnen lassen, die Fahrt nach Martigny kostet mich gerade mal zehn Euro. Fünf Mal pro Woche macht ein Bus diese Strecke. Ich muss nur drei Stunden warten, dann fährt er los.

Der Bus steigt in die Höhe. Zuerst nahe an der Wanderstrecke, die ich gestern hoch und erst vor ein paar Stunden runter gelaufen bin. Dann nicht weit von der Route, die ich heute hätte gehen können. Tatsächlich, es sieht aus, als habe es geregnet. Aber nicht schlimm. Und der Weg ist, wenn ich das richtig ausmachen kann, breit und sicher. Ich wär da auch im Nebel und im Regen hochgekommen.

Als wir nach dem Tunnel in der Schweiz ankommen und das Walliser Tal herunterfahren, beginne ich mich zu ärgern. Was für eine schöne Strecke! Wär ich doch gelaufen! Auch diesen Teil hätte ich ohne Risiko machen können. Ich hätte hier noch ein paar schöne Tage verbringen und meine Ferien würdig abschliessen können.

Natürlich ärgert mich das. Es wird mich noch Tage später, als ich schon wieder in den Zürcher Alltag eingebunden sein werde, nerven. Aber es wird mir auch Ansporn sein: Ich will hier zurückkommen, ich will hier Neues erleben. Es ist ja nicht weit.

Ich muss nämlich nicht bis ans Meer laufen, um ein Abenteuer zu erleben.

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Unterwegs

Jenseits von Italien: Aosta

Mein Reiseführer ist Lonely Planets «Italy», den ich zufällig auf meinem iPhone entdeckt habe. Er fasst jeweils mehrere Regionen in einem Kapitel zusammen. Auf meiner Reise habe ich also den Abschnitt «Liguria, Piedmont & Valle d‘Aosta» studiert. Plötzlich fällt mir auf: Valle d‘Aosta?!

Kenn ich ja gar nicht. Ich weiss dazu nur zwei Dinge: Man kommt da über den Grossen St. Bernhard vom Wallis her hin. Und dort wurde das amerikanische Milieustudie «Avengers: Age of Ultron» gedreht, wo eine dort im Tal gelegene Burg als Kulisse für das Hauptquartier der Nazi-Nachfolgeorganisation Hydra dient. #trueStory Das sieht dann so aus. Egal. Ich habe jedenfalls eine Bildungslücke entdeckt. Ich muss sie stopfen. Ich fahre da hin.

Und zwar nach Aosta, der Hauptstadt des Aostatals. Das Aostatal ist keine Normalregion wie das Piemont, sondern nur oder sogar eine autonome Region mit Sonderstatus. Keine Ahnung, was das bedeutet, was versteh ich schon von italienischer Politik?! Ende Monat sind hier lokale Wahlen. Als ich ankomme, hält gerade Forze Italia eine Kundgebung auf dem Hauptplatz ab. Am Tag zuvor war Matteo Salvini hier, ich war zum Glück noch nicht da. Aosta hat 35‘000 Einwohner. Die Stadt ist zu klein für uns beide.

Früher war mehr Lametta: Forza Italia in Aosta

Es ist eine kleine Stadt. Sie fühlt sich grösser, weil grosszügiger an. Vielleicht weil sie so alt ist. Die Römer haben einst die lokalen Kelten vertrieben und dann, verkehrsstrategisch schlau, ein regionales Zentrum errichtet. Der übergrosse Triumphbogen, Teile des Theaters und des Amphitheaters und des Forums stehen noch immer. Das Stadttor ist so gross, dass ich es nicht am Stück fotografieren kann. Unten durch führt die Hauptstrasse, erbaut auf der alten Römerstrasse.

Die Wand des römischen Theaters

Die Hauptstrasse ist eng, Fussgängerzone und autofrei. Links und rechts hat’s Restaurants und Geschäfte. Auffallend viele verkaufen Sportsachen. Gleich beim Bahnhof steht eine Bergbahn, die einen 1200 Meter hoch in ein Wander- und Skigebiet trägt. Rund um Aosta hat es viele Berge. Man fühlt sich dennoch nicht eingekesselt.

Auffallend viele Geschäfte verkaufen Lebensmittel. Fontina, Trockenfleisch, Würste, Kastanien-Kekse, Mais, Schnaps, Most, dazu natürlich alles andere, was man in Italien so isst. Aber vor allem Erzeugnissen aus den Alpen, aus den Bergen. Vielleicht fühlt man sich darum nicht von ihnen eingekesselt.

Sieht aus wie in Italien

Die Häuser hier sehen aus wie Häuser in – sagen wir mal – Domodossola, Como und Tirano. Die Menschen machen lange Apéro. Manche der Geschäfte an der Hauptstrasse schliessen mittags von 12.30 bis 15 Uhr. Es sieht aus wie überall in Italien, aber es fühlt sich anders an. Der lustige Akzent der Einheimischen ist ein Hinweis. Viele Strassen sind französisch angeschrieben, die Namen der Dörfer in der Umgebung tönen französisch, auf dem Rathaus steht «Hôtel de Ville». Für die Mehrheit ist Franko-Provenzalisch die Muttersprache, man hört es auch auf der Hauptstrasse. Das könnte der Grund sein, warum das Aostatal eine autonome Region mit Sonderstatus ist. Und warum die Berge nicht einkesseln, sondern schützen.

Aber was weiss ich schon. Ich spüre einfach, dass es hier irgendwie anders ist. Dass hier eine zusätzliche Ebene drin steckt, ein Geheimnis verborgen liegt. Vielleicht ist dies der Grund, warum die Kleinstadt grösser wirkt.

Mir gefällt das. Mir gefällt, dass ich hier nicht alles entdecken kann. Und dass ich meine Bildungslücke bloss ein wenig kleiner machen kann.

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Kochen & Essen Kunst & Kultur Unterwegs

Für eine Focaccia nach Genua

Jetzt bin ich doch in Genua gelandet. Das war eigentlich nie das Ziel. (Jaja, das war das usprüngliche Ziel dieser Ferien, aber Genua diente nur als Ziellinie, das Meer dort liegt von Zürich aus am nächsten. Als ich mein Projekt aufgab, hat mich Genua nicht weiter interessiert. Es ist zwar eine supergeile Stadt, aber ich war erst im Februar hier. Nun wollte ich andere Orte entdecken.)

Jetzt bin ich also doch in Genua gelandet. Liegt halt am Weg von bzw. zur Cinque Terre, und so übernachte ich einmal hier. Grund gilt es einen einzigen: Ich will Focaccia essen.

Ich hatte nie verstanden, was an Focaccia so speziell ist. Bis ich hier ein Stück probierte. Und das war… Wow! Hatte ich jemals so etwas Feines, das so einfach war, gegessen? Dies war nicht einfach ein trockener Fladen, keine um den Belag betrogene Pizza. Der Teig lag beim Backen in Olivenöl und war zuvor damit übergossen worden; die Focaccia wird im Ofen mehr frittiert als gebacken. Die noch warme Focaccia ist so gleichzeitig weich und kross; der Hefeteig wirkt süss, wurde aber derart grosszügig mit Salz bedeckt, dass man das Meer zu schmecken glaubt. Die Focaccia ist der Streetfood meiner Träume.

Und weil ich immer wieder davon geträumt habe, daran gedacht habe, hab ich meine Reise in Genua kurz unterbrochen, damit ich mir dort, wo es meiner Meinung nach die beste Focaccia gibt, eine holen kann.

Es war fantastisch!

(Im Genua entdeckte ich, dass da gerade eine Ausstellung von Shepard Fairey läuft. Da ging ich natürlich gleich rein, auch damit ich nachher sagen kann, ich sei nicht nur zum Fressen, sondern der Kunst wegen hier gewesen. Die Ausstellung ist toll, sie zeigt, warum Fairey einer der grössten Street-Art-Künstler ist. Sein bekanntestes Werk ist natürlich das«Hope»-Plakat, das er aus eigenem Antrieb für Barack Obama umsetzte. Der Brief, mit dem sich der spätere POTUS beim Künstler bedankte, wird in der Ausstellung ebenfalls gezeigt.)

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Unterwegs Wandern

Wandern in der Cinque Terre

Da bin ich also in Italien und denke: Man könnt doch mal an dieses Meer! Und dann musste ich nicht weiter studieren, denn ich wusste genau, wo es nun hingehen würde: an die Cinque Terre.

Nationalpark, UNESCO-Welterbe, Bilderbuchitalien. Da muss man also unbedingt hin! Blöd nur, dass halt alle so denken und die fünf Dörfli zu den overtouristischsten Orten Italiens gehören. Normalerweise. Wenn es einmal ein bisschen ruhiger wäre, dann müsste dies doch jetzt sein.

Also kaufte ich mir ein Zugsbillet und fuhr von Novara aus da hin. Was ich dort erlebte, zeigt diese Tonbildschau:

Portovenere
Portovenere
Chiesa di San Pietro
Chiesa di San Pietro
Rauf!
Rauf!
Harte Arbeit
Harte Arbeit
Frohe Aussicht
Frohe Aussicht
Blick zurück
Blick zurück
Relikt
Relikt
Weinbau
Weinbau
Runter
Runter
So herzig!
So herzig!
Der zweite Tag
Der zweite Tag
Panorama
Panorama
Wegweisend
Wegweisend
Angenehmer
Angenehmer
Ernte
Ernte
Am Ziel
Am Ziel
Am dritten Tag
Am dritten Tag
Wieder am Wandern
Wieder am Wandern
Vernazza
Vernazza
Leider im Gegenlicht
Leider im Gegenlicht
Touristen
Touristen
Saisonkalender
Saisonkalender
Auf dem Land
Auf dem Land
Ziel erreicht
Ziel erreicht
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Beide Wege waren sehr nett. Der Küstenweg ist klar attraktiver, weil er abwechslungsreicher ist und man auch in die Dörfli reinkommt. Andererseits halt sehr viel touristischer. Schon am Wochenende muss es hier zu Stau kommen. Auf dem Höhenweg kann man wohl auch in der Hochsaison abschalten.

Die Dörfer sind unglaublich pitoresk. Aber sie laden nicht zum Verweilen ein. Hier soll man konsumieren und dann bitte weitergehen, es ist dolce-far-ninente-freie Zone.

Ich wollte mir das mal ansehen, ich hab es nun gemacht, es war okay, aber ich gehe nun gerne weiter. Wohin? Irgendwo, wo es weniger Menschen hat. Und vielleicht ein paar Grad kühler ist.

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Zu Fuss ans Mittelmeer

Warum’s nicht klappen konnte

Was hab ich denn erwartet?

Es ist herzig, dass ich gedacht habe, in Italien laufe es gleich wie (naja, vielleicht schon ein My schlechter als) in der Schweiz. Und dass ich meine Erfahrungen einfach mitnehmen und übernehmen kann und sich das dann irgendwie einrenkt. Aber es läuft halt so nicht.

Ich vermute nach wie vor, das Projekt, von Zürich ans Meer zu laufen, wär machbar. Nur hätt ich das besser vorbereiten müssen: Karten im Vorfeld auftreiben und studieren, Teile der Strecke mit Google Maps angucken. Und mein Vorgehen umkehren: Zuerst eine gute Route suchen und danach den Zeitplan bauen.

(Ironischerweise ist mir genau das passiert, was ich im Berufsleben immer beobachtet und kritisiert habe: Da hat man eine Website oder ein Produkt, was recht erfolgreich läuft. Kann man ja einfach duplizieren und damit einen neuen Markt aufmischen! Technisch ist das kein Problem; neuen Content/die notwendigsten Übersetzungen sollte man mit anderthalb FTEs schaffen. Vielleicht wird man nicht über Nacht Marktführer, aber man hat schon mal bewiesen, was man kann; den Erfolg sollte man sollte man also duplizieren können. Man launcht. Man verschickt eine MM mit dem Titel: «X erobert den Z-Markt.» Danach wird es sehr schnell sehr still. Im nächsten Jahresbericht ist das Projekt noch die Bemerkung «positive Entwicklung» wert.)

Das alles ist kein Unglück! Das war ja nur so eine Idee. Ich durfte zehn schöne und vor allem ganz besondere Urlaubstage erleben. So nebenbei hab ich eine Alpenüberquerung gemacht. Ich weiss nun (auch aus dem Frühlingsurlaub), dass ich zehn Tage am Stück auch über längere Strecken wandern kann, dass ich alles, was ich für längere Zeit zum Leben brauche, zu tragen vermag. Letzteres ist übrigens ein supergeiles Gefühl!

Nach ein paar herrlich langweiligen Tagen in Orta San Giulio und Novara, setze ich meinen Weg dort. Anders als geplant. Ich fahre ans Meer.