In diesen tristen, regnerischen Wintertagen sehne ich mich nach Sonne, Süden und Ferien. Befeuert, aber teilweise auch befriedigt wird diese Sehnsucht aktuell von englischen Foodblogs. Die zeigen momentan und saisongerecht viele Rezepte mit «Seville oranges».
Seville oranges! Das tönt halt schon mal anmächeliger und romantischer als der entsprechende deutsche Ausdruck: Bitterorangen. Und vielleicht auch darum sind sie in Grossbritannien und Irland so viel populärer als hierzulande. Während es die kleinen, sauren Zitrusfrüchte auf den Inseln scheinbar überall zu kaufen gibt, muss man hierzulande so richtig danach suchen. Dieses Jahr, habe ich mir vorgenommen, werde ich das mal tun. Und wurde bei Jelmoli fündig.

Um die CHF 6 kostet das Kilo, in Bioqualität nochmals einen Franken mehr. Viel Schönes kriegt man dafür nicht: Die Früchte sind klein, machen einen leicht verschrumpelten Eindruck, die Schale hat deutlich mehr Orangenhaut als die ihrer süssen Geschwister. Und sauer sind sie! Beim Reinbeissen erinnert kaum noch was an Orange, eine stechende Säure wie von einer Zitrone überdeckt alle anderen Aromen.

Doch ich habe sie nicht zum Rohessen gekauft. Traditionell englisch verkoche ich ein Pfund für Orangen-Marmelade. Selten hab ich so unfoodwastig gearbeitet: Für diese Konfi hab ich nicht nur Saft und Fruchtfleisch verwendet, sondern auch die Schalen und sogar die unzähligen Kerne. Dies alles wird erstmals zwei Stunden gekocht, in der Zeit löst sich die Schale zu einem grossen Teil auf und die (in ein Gewürz-Ei gesperrten) Samen sondern Pektin ab. Erst danach (und nachdem ich das Gewürz-Ei rausgefischt habe) beginne ich, die eigentliche Konfi zu kochen. (Zum Glück habe ich eine Kenwood Cooking Chef, sodass ich Rühren und Kochen abgeben kann!)

Das Ergebnis ist dank viel Zucker dann doch ziemlich süss und nur leicht bitter. Aber es schmeckt im Gegensatz zu gekaufter «Butterorangen-Marmelade» erdiger und rauher. Die Schalen und Kerne haben auch im Aroma ihre Spuren hinterlassen.

Wahrend die Orangen für die Marmelade am Kochen waren, machte ich mit einem weiteren Pfund Früchte noch schnell Curd, jene superleckere Streichmasse mit Butter, Eiern, Zucker und für einmal Bitterorangen. Von diesem Ergebnis bin ich weniger beeindruckt, einmal mehr muss ich feststellen, dass der «normale» Curd mit Zitronen einfach am besten schmeckt. Aber natürlich werde ich mir in den nächsten Tagen und Wochen dennoch unzählige Brote mit Bitterorangen-Curd streichen.

Die Marmelade hingegen werde ich vor allem zum Backen und Kochen verwenden. Ich mag Konfitüre nämlich nicht so sehr.