21,5 km • 4 h 30
Nach Domodossola sind es etwa 40 Kilometer. Das könnte ich doch easy…
Halt! Heute will ich es ganz langsam angehen lassen. Tagesziel ist das Städtchen Baceno. Nein, davon hab ich auch noch nie gehört. Aber es liegt 20 fast ausschliesslich flache Kilometer entfernt. Bingo!
Ich will auf der heutigen Etappe aber auch noch was lernen. Das Wandern in Italien. Da gibt’s ja auch Wanderwege und Karten, aber ich weiss noch nicht so recht, wie ich die lesen und interpretieren soll. Ich habe zufällig herausgefunden, dass es auch einen italienischen «Via Sbrinz» gibt (führt auch über den Griespss, aber von Domodossola bis Ulrichen). Auf der Website der regionalen Tourismus-Organisation fand ich eine GPX-Datei und konnte sie aufs Handy laden. So habe ich eine semi-offizielle Karte mit dabei und kann es riskieren, auch mal ein abgesperrtes Feld zu überqueren und eine Alternative zum Laufen auf der Hauptstrasse zu finden.
Es ist stark bedeckt und kühl, der Weg selbst ist ganz nett. Oftmals habe ich das Gefühl, ich befinde mich in einem Tessiner Bergtal – inklusive Granitbergwerken und Mischwald auf den Bergen. Nur die Architektur irritiert. Vor allem im oberen Teil dominiert die Bauweise der Walser, die Dörfer bestehen aus Holzhäusern und sehen aus wie beispielsweise im Wallis. Erst als ich talabwärts laufe, treffe ich immer öfter auf jene alten Steinhäuser, die ich mit dem Tessin assoziiere.
Postscriptum: Ich bin sehr glücklich, im Italien zu sein. Auch weil mein Plan langsam konkreter wird. Ich posaune meine Projekte sonst ungern zum vornherein in die Welt hinaus. Mein «Ich laufe jetzt ans Meer» dünkt mich immer noch ein bisschen grossspurig und mutig. Aber wenn ich jetzt scheitern soll, hab ich immerhin was geleistet und eine schöne Erinnerung an diese Ferien gesammelt: Ich bin in einer Woche von daheim nach Italien gelaufen. Ist ja auch was!