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Ich lese Literatur aus der Weimarer Republik

Was lese ich? «Mr. Norris Changes Trains» von Christopher Isherwood (zu Deutsch: «Mr. Norris steigt um»). 

Welches Genre? Ich weiss nicht, ob es ein Genre namens Literatur-zur-Zeit-der-Weimarer-Republik gibt. Falls ja, gehört es wohl dazu.

Warum dieses Genre? Es sieht nicht gut aus, politisch und global gesehen. Und manches erinnert an ein schlechtes Remake ganz dunkler Zeiten. Man ahnt schon, wie es enden könnte. Doch wie haben das die Menschen damals erlebt, in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, zur Zeit der Weimarer Republik? Was haben Schriftsteller beobachtet? Und was berichteten sie aus dieser Zeit?

Warum dieses Buch? Eigentlich wollte ich zuerst «Fabian – Die Geschichte eines Moralisten» von Erich Kästner lesen. Kästner kennt man, aber ich habe nie etwas von ihm gelesen, das er für Erwachsene schrieb. Leider habe ich in diesem Buch aber nicht das gefunden, wonach ich gesucht hatte, ich fand den Roman zu verspielt, zu fabuliert. Mein Projekt kam ins Stocken und ich «vergass» zwischendurch zu lesen. Genau zu der Zeit erfuhr ich von einem anderen Roman, eben von «Mr. Norris Changes Trains». Es ist der erste Teil des Doppelromans «The Berlin Stories» von Isherwood, der später dramatisiert wurde und noch später als Basis fürs Musical «Cabaret» diente. Bingo! Das wollte ich lesen!

Wie ist das Buch? Leider hat es mich auch nicht wirklich begeistert. Es passierte ein bisschen gar … nichts. Die einzelnen Personen wurden schön charakterisiert, aber die Geschichte entwickelte sich nur langsam und zäh und irgendwie auch nur ansatzweise. Man erfährt schon etwas über Berlin dieser Zeit (der Roman erschien 1935) und begegnete Nazis, Kommunisten, Polizisten und Dirnen, aber das war ja zu erwarten. Antworten auf die Fragen von heute gibt es aber keine.

Wie ging es beim Lesen? Ich war bald gelangweilt und biss mich bloss durch, weil ich schon «Fabian» früh weggelegt hatte. Unterhaltsam waren anfangs die queer gecodeten Dialoge, aber auch das verlor schon bald seinen Reiz.

Konnte ich meinen Neujahrsvorsatz halten? Nicht immer.

Was lenkte mich ab? Ich schaute auf YouTube hin und wieder Ausschnitte aus «Cabaret».

Würde ich es wieder tun? Nein. Es gibt ja noch den Folgeroman «Goodbye to Berlin», den habe ich zwar auch gleich gekauft, aber ich glaube, vorläufig mag ich den nicht lesen.

Worauf ich jetzt Lust habe? Ich nehme mir kurz eine Auszeit von diesem Projekt. Ich lese zwar weiter, aber ausserhalb meines Programms. Alle Welt spricht gerade von «Careless People» von Sarah Wynn-Williams, und mich interessiert das natürlich auch.

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Ich lese ein Epos

Was lese ich? «Lonesome Dove» von Larry McMurtry (deutsch heisst das Buch «Weg in die Wildnis»)

Welches Genre? Epos

Warum dieses Genre? Das Schönste am Lesen ist ja – so entsinne ich mich –, dass man so ganz in ein Buch versinken kann. Dass man nicht bloss eine Geschichte mitverfolgt, sondern in einer anderen Welt lebt. Darum wollte ich als zweites Buch in meinem Projekt ein Epos lesen.

Warum dieses Buch? Ein richtiges Epos zu finden, war gar nicht so leicht! Als ich danach suchte, stiess ich entweder auf Klassiker (darauf komme ich im Rahmen dieses Leseprojekts später zurück) oder dann so Fantasy-Sachen. Doch plötzlich fand ich dieses mit einem Pulitzerpreis ausgezeichnete Buch. Was mich zusätzlich ansprach: Nachdem der Autor Larry McMurtry vor ein paar Jahren gestorben war, stiess ich überall auf überschwängliche Nachrufe. Sie machten mich neugierig und ich wollte etwas von ihm lesen. Was ich natürlich nicht schaffte. Nun konnte ich seinem Werk nochmals eine Chance geben.

Wie ist das Buch? Ganz, ganz toll! Es spielt in den letzten Tagen des Wilden Westens, als die Cowboys, die Indianer, die Gesetzlosen, die Freiheitsliebenden und die Natur noch ein letztes Mal gegeneinander kämpften, bevor sie von der Zivilisation erfasst und gezähmt wurden. Die Rahmenhandlung ist simpel – es geht um eine Gruppe Ranchers, die mit einer grossen Herde Rindern von Texas nach Montana ziehen. Dabei tauchen unzählige Charaktere mit ihren eigenen Geschichten auf, tauchen dann unter oder verschwinden oder sterben oder kehren plötzlich zurück. Immer wieder werden ganz grosse, ganz dramatische Schicksale erzählt.

Wie ging es beim Lesen? Am Anfang war es ein wenig zäh. McMurtry lässt sich viel Zeit, die Hauptcharaktere und das Land einzuführen. Dass dies in einer verstaubten, hässlichen, manchmal unappetitlichen Umgebung geschieht, hilft auch nicht.  Aber langsam nimmt die Geschichte dann Fahrt auf und als die Handlungen endlich losgaloppieren, wird man voll erfasst. Dann fühlte es sich an, als lese man in Cinemascope!

Konnte ich meinen Neujahrsvorsatz halten? Zwei, dreimal habe ich tatsächlich vergessen, zu lesen. Aber ich hab am nächsten Tag einfach weitergemacht, als wär nichts gewesen.

Was lenkte mich ab? Ich hatte mehrmals unglaubliche Lust, das Buch wegzulegen und stattdessen meine Xbox einzuschalten und «Red Dead Redemption» zu spielen, wo ich selbst durch den Wilden Westen hätte ziehen und Abenteuer erleben können. Ich habe es dann aber doch nicht getan.

Würde ich es wieder tun? Definitiv! Ich habe mittlerweile erfahren, dass McMurtry nach dem Erfolg dieses Buches zwei Folgeromane geschrieben hat. Ich lasse das mal sitzen und werde diese Trilogie irgendwann später fortsetzen.

Worauf ich jetzt Lust habe? In der Welt läuft gerade so viel. Wenig Gutes. Es nimmt mich wunder, ob das früher auch so was, wie das früher war. Ich will nun lesen, was man in der Weimarer Republik so dachte.

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Ich lese einen Roman

Was lese ich? «You Are Here» von David Nicholls (zu Deutsch trägt das Buch den arg generischen Titel «Zwei in einem Leben»)

Welches Genre? Roman

Warum dieses Genre? Eigentlich sind wohl die meisten Bücher in meinem Projekt Romane, aber damit meine ich hier: eine einfache, gradlinige Geschichte, in der es um ganz normale Menschen und ihr Innenleben geht. Was man halt so liest, generell. Das ist bestimmt ein guter Ausgangspunkt für mein Projekt.

Warum dieses Buch? Es wurde mir gleich von zwei Personen empfohlen. Nicht weil ich Leser bin, sondern weil ich die Rahmenhandlung bereits erlebt habe: Die Protagonisten wandern in der Geschichte auf dem «Coast to Coast Walk» quer durch England. Ich kenne diesen 300 km langen Wanderweg. Ich bin die erste Hälfte vor ein paar Jahren, das letzte Stück im letzten Frühling gegangen. 

Wie ist das Buch? Lustig, unterhaltsam und sehr, sehr klug. Es geht um zwei nicht mehr ganz junge Menschen, die in ihren Leben schon so viel Ballast angesammelt haben, dass sie nicht wissen, ob sie sich noch eine Beziehung antun wollen. Und sich natürlich prompt verlieben – in Menschen, die auf den ersten Blick nicht zu ihnen passen. Nicholls schreibt toll, zeichnet grossartige Charaktere und schafft es, den Leser in eine Geschichte eintauchen zu lassen, in der er sich selbst findet.

Wie ging es beim Lesen? Prima. Es ist ein dankbares Buch: Kurzweilig und die einzelnen «Kapitel» sind manchmal nur wenige Seiten lang. Das hilft dem Neueinsteiger! Allerdings sind die Charaktere sehr dicht skizziert; vor allem am Anfang musste ich einige Absätze mehrmals lesen, weil meine Gedanken immer wieder abschweiften. Dennoch habe ich es geschafft, mein erstes Buch innerhalb eines Woche zu lesen!

Konnte ich meinen Neujahrsvorsatz halten? Gleich am zweiten Tag habe ich meinen Neujahrsvorsatz vergessen und kein Wort gelesen. Ich habe mich davon aber nicht gross irritieren lassen und mein Projekt am dritten Januar einfach wieder aufgenommen.

Was lenkte mich ab? Das Buch ist in die Tagesetappen des Weitwanderweges eingeteilt, und darum sind sie wichtiger Teil der Geschichte. Viele Erinnerungen wurden wach, an einige geschilderte Details mochte ich mich aber nicht mehr erinnern, und so hatte ich immer wieder das Bedürfnis, YouTube aufzurufen und dort einen entsprechenden Reisebericht anzuschauen.

Würde ich es wieder tun? Oh ja. Obwohl ich keine Lust auf eine literarische Romanze hatte, hat mir das Buch vor allem wegen der genauen Schilderungen der Charaktere gut gefallen. Ich habe es darum auch selbst mehrfach weiterempfohlen.

Worauf ich jetzt Lust habe? Ich kam gut voran, und es machte Spass, in die Gedanken zweier Menschen zu blicken. Nun habe ich Lust, mich an etwas Komplexeres und Anspruchsvolles zu wagen: Ich will eine grosse Geschichte lesen. Ein richtig fettes Epos!

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Ich lerne lesen

Mein Neujahrsvorsatz: Ich will lesen lernen.

Selbstverständlich kann ich lesen. Oder? Noch kann ich es, aber ich beobachte, wie ich es langsam verlerne. Ich starre zu oft auf Bildschirme, Monitore und Leinwände, aber kaum noch in ein Buch. Ich gehe so nicht bloss mit meiner Zeit einseitig um; vor allem kann ich immer schlechter mich hinsetzen, Stille geniessen und mich länger auf etwas konzentrieren. Ich merke, dass meine Aufmerksamkeitsspannen immer kürzer werden und ich auch beim Konsum immer schneller ungeduldig werde. Das muss anders werden.

Vielleicht hilft es, wieder zu lesen. Wieder mit Lesen zu beginnen.

Ich habe «früher» viel gelesen, alles verschlungen. Dann wurde es immer ein bisschen weniger, irgendwann habe ich Belletristik ganz aufgegeben. Letztes Jahr habe ich gerade mal eine Handvoll Sachbücher begonnen; ich schaffte es wohl nur bei zwei, dreien, sie fertig zu lesen.

Das kann ich ändern.

In einem Podcast – ausgerechnet! – vernahm ich diesen Trick: Der Moderator, dem es einst ähnlich ging wie mir heute, nahm sich zum Vorsatz, einfach zwei Seiten zu lesen. Jeden Tag, knallhart. Das habe er sich auch im grössten Stress einrichten können. Und natürlich wurde es dann immer mehr, zehn Seiten sicher, vielleicht zwanzig, oftmals ein Kapitel, manchmal eine Stunde oder mehr. Nun habe er den Weg zurück zum Buch zurückgefunden, jetzt sei er wieder ein Leser.

Das will ich auch werden. Das will ich auch tun.

Ab sofort lese ich täglich. 

Weil mir bei solchen Vorhaben Struktur hilft, erstelle ich einen kleinen Trainingsplan. Ich will mich nicht einfach ins Lesen stürzen und mich irgendetwas widmen, sondern ich will mich ganz bewusst an die Literatur herantasten. Die ersten zwölf Bücher will ich mit Bedacht auswählen; ich möchte jeweils in ein einzelnes Genre, in eine bestimmte Gattung hineinblicken. Das sind – Stand heute – diese:

  • Roman
  • Klassiker
  • Krimi
  • Epos
  • Sachbuch
  • Biografie
  • Comic
  • Frauenliteratur
  • Etwas vom aktuellen Nobelpreisträger
  • Etwas Aussereuropäisches
  • Etwas aus der Weimarer Republik
  • Poesie

Aktuell hab ich erst bei ein, zwei Genres eine Idee, was ich ganz konkret lesen möchte. Aber ich bin mir sicher, dass ich überall etwas Spannendes entdecken werde.

Es ist der erste Januar. Das Jahr beginnt. Das Abenteuer Lesen auch.