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Zu Fuss ans Mittelmeer

Etappe 3: Luzern–Sachseln

32 km • 6 h

Don‘t tell me what to do!

Der Receptionist im Luzerner Hotel hat es gut gemeint. Wenn ich nach Sarnen will, soll ich unbedingt auf die Fräkmüntegg fahren, halb auf den Pilatus hoch, und von dort mit einer Hochwanderung nach Obwalden rübermachen. Er zeichnet es mir sorgfältig vor. Andernfalls müsse ich der Autobahn folgen. Und das sei nicht schön, davon könne er nur abraten!

Ich nicke und bedanke mich brav, innerlich aber schreie ich: Don‘t tell me what do do! Autobahnen sind keine attraktiven Begleiter, aber nicht selten habe ich genau dort Überraschendes und Erhellendes gefunden (im Urner Reusstal, im Tal südlich vom Monte Ceneri). Vielleicht auch heute. Also ignoriere ich den Rat und bleibe in der Ebene. Zumal die Hänge des Pilatus – wann nicht?! – hinter dunklen Wolken verschwunden sind.

Zuerst ist da tatsächlich nichts Schönes; Kriens ist Schlieren auf Vodka Red Bull. Aber langsam entfernt sich der Verkehr und der See kommt näher. Ich umrunde den Lopper, die Landzunge, die dem Alpnacher- vom Vierwaldstättersee abtrennt. Als sich Autobahn und Zugstrecke bei Stansstad verabschieden, bleiben zuerst Ruhe zurück, dann Langeweile, schliesslich nur noch Zen.

Just als ich die Grenze zu Obwalden überschreite, werden die Wolken weggefegt und die Sonne zeigt sich endlich. Sie beleuchtet den Wichelsee, einen Bergsee in der Ebene, die Sarneraa, das putzige Sarnen und seinen See. Schliesslich komme ich äusserlich und innerlich leuchtend in Sachseln an. Ich bin froh, habe ich auf niemanden gehört und bin meinen eigenen Weg gegangen.

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Postscriptum: Die Suche nach der richtigen Route wird – mit oder ohne Hilfe von Receptionisten – ein Leitmotiv dieser Tour bleiben. Ich muss ja vorwärtskommen, ich muss Kilometer abspulen. Für das Schöne will ich dennoch gerne einen Umweg machen. Wo setze ich da die Grenze?