Mein Jurahöhenweg

Etappe 17: La Redoute (F) — Genf

Ums Ziel betrogen.

Eigentlich habe ich mir für meine letzte Etappe einen schönen Weg ausgesucht: Noch ein bisschen der Krete entlang, dann langsam den Wald runter gen Genf. Doch nach meiner gestrigen Erfahrung mit französischer Wegbeschilderung und einem weiten Marsch vor mir, beschliesse ich, lieber auf Nummer sicher zu gehen, möglichst rasch hinunterzustechen, gleichzeitig aber die Passstrasse zu meiden. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich bald herausstellen wird.

Schon nach wenigen Metern auf einem Waldpfad stoppt mich ein Schild. Der Weg sei wegen Waldarbeiten gesperrt. Da Samstag ist, kann ich dieses Verbot ignorieren. Aber es ist ein Zeichen für kommendes Ungemach: In der Folge kämpfe ich mich durch Unterholz, strauchle auf überwachsenen Pfaden, muss hin und wieder doch auf der Passstrasse laufen, folge Überlandstrassen ohne Trottoirs und finde mich einmal gar im Garten einer Villa wieder! Immerhin alterniert dies mit allerlei Bezauberndem: Markt im hübschen Zentrum von Gex, schöne Spazierwege durch Felder, romantische Bauerndörfer, in die langsam die Gentrifizierung einzieht, wo an den Strassenrändern aber noch Viehtränken stehen. Und auf einem kleinen Umweg passiere ich auch eines der CERN-Zentren.

Nach dem Überschreiten der Schweizer Grenze (die hier so obsolet ist, dass ich sie erst gar nicht bemerke) stehe ich bald vor dem Genfer Flughafen. Rund um ihn ist ein gesichtsloses Quartier mit Hotels, Business Center und Parkhäusern entstanden.

Die letzten Kilometer auf Genfer Einfallstrassen ziehen sich in die Länge. Ich bin müde, und es gibt nur wenig Schönes, das mich ablenkt. So bin ich froh, als ich endlich den Bahnhof Genève-Cornavin erreiche. Er ist mein erklärtes Ziel, aber natürlich will ich noch an den See, ich will den Jet d'Eau sehen! Den fotografier ich, denke ich auf den letzten hundert Metern meiner Tour, und dann poste ich das Bild auf Facebook — quasi als Beweis, dass ich das Ziel meines Sommerprojekts erreicht habe. Das gibt «Likes»!

Doch als ich am Ufer stehe, sehe ich nichts. Aus mir unbekannten Gründen ist das Wahrzeichen nicht in Betrieb. Ein bisschen enttäuscht suche ich als spontanes Alternativ-Ziel eine nahe Gartenbeiz auf und trinke ein Bier. Geht ja auch, tröste ich mich, und es gilt sowieso: Der Weg war das Ziel.

Gallerie: Bilder dieser Wanderung

Übersichtskarte
  • 19.10.2013
  • 28 km
  • ↑67m ↓941m
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