Mein Jurahöhenweg

Etappe 10: Vue des Alpes - Noiraigue

Landdienst.

Es ist auch heute dunstig. Und so bleibt Vue des Alpes ein Versprechen.

Ich laufe los und folge wie stets strikt den Wanderwegen. Aber die führen mich in die Irre, und so lande ich nicht auf dem Tête de Ran, sondern komme drumherum geführt. Das ist nicht schlimm. Es ist gerade mal zehn Uhr, aber es ist auch auf 1400 M.ü.M. bereits so heiss, dass ich arg schwitze. Ich muss also nicht noch auf einen zwanzig Meter hohen nackten Hügel steigen, wo ich ja – Dunst! – doch nichts von der Aussicht habe.

Anstelle der Aussicht geniesse ich die Weite! Theoretisch laufe ich stets auf dem höchsten Punkt dieser Bergkette, die ist aber so weit, so breit, dass ich mich auf einer herrlichen Hochebene befinde.

Plötzlich sehe ich am Horizont einen Bauern. Auf einem Motorrad. Er macht seltsame Geräusche. Das irritiert mich. Dann merke ich: Er ruft seinen Kühen. Die Kühe kommen mir entgegen. Ich weiss, wenn ich hier rumstehe, dann ängstigt die das und sie bleiben stehen, und so gehe ich ihnen weiträumig aus dem Weg. Der Bauer ruft mir was zu und zeigt mit dem Daumen nach oben. Ich verstehe nicht. Ihr wisst: Der Motorradlärm, die Kuhglocken, die Sprache... Dutzende von Kühen ziehen an mir vorbei, während ich in die andere Richtung laufe. Dann entdecke ich zwei Rindviecher, die dem Ruf des Bauern nicht folgen und zurückbleiben. Ich rufe ihnen zu: «Habt Ihr Papa nicht gehört? Los, geht schon!» Sie glotzen mich an und machen keinen Wank. Dann rufe ich: «Allez-y! Allez-y!» Das verstehen sie. Nun folgen auch sie der Herde. Ich bin stolz, meinen Beitrag an die Neuenburger Alpwirtschaft geleistet zu haben!

Nach Mont Racine gehts runter in ein kleines Seitental, dann wieder hoch, nochmals leicht runter auf den Col de la Tourne, dann wieder hoch — dies alles im Rahmen, unterm Strich ist dies eine flache Tagswanderung. Bei Les Tablettes hats einen Aussichtspunkt. Eine Panoramakarte deutet an, dass man von hier den Tödi und den Titlis sehen könne. Ich aber kann noch nicht mal Murten erkennen.

Der Weg macht nun einen Bogen. Nach Süden ist Schluss, die Jurakette wird hier von der Areuse durchbrochen. So laufe ich südwestlich weiter — über dem Val de Travers. Es ist ein angenehmer Waldpfad, und hin und wieder sieht runter man ins Tal, einmal sogar auf die Creux du Van (die besuch ich nächstes Mal). Schliesslich gehts steil, sehr steil runter, bis ich im putzigen, von allen Seiten mit Felswänden abgeriegelten Noiraigue ankomme.

Dort sehe ich einen Wegweiser zur «Route de l'Absinthe». Ich frage mich: bin ich in den letzten Tagen völlig falsch gelaufen?

Gallerie: Bilder dieser Wanderung

Übersichtskarte
  • 22.07.2013
  • 22 km
  • ↑527m ↓1080m
  • Karte